Anreiten eines Pferdes

Mit dem 3. Lebensjahr ist ein Pferd in der Lage den Sattel und einen Reiter zu tragen und kann angeritten werden. Allerdings schwankt das Alter der Pferde von Rasse zu Rasse. Aber auch der Entwicklungsstand eines jungen Pferdes kann ein Grund sein, ein Pferd später anzureiten. Zum Beispiel wenn das Pferd noch sehr unreif oder sehr zierlich ist. Es gibt sicher einige Methoden Pferde einzureiten, nicht nur hinsichtlich der Reitweise. Einige longieren ihr Pferd zuerst an, Andere setzen sich gleich drauf. Hier soll eine uns bewährte Methode vorgestellt werden. 
Kommt das junge Pferd 3jährig von der Koppel zum Anreiten in die Box, so ist es meistens nicht oder nur wenig an den Menschen gewöhnt und muss den Umgang mit dem Menschen erst lernen. In dieser Phase hat sich Dominanztraining und Bodenarbeit als sehr hilfreich erwiesen.
Das Pferd muss lernen den natürlichen Abstand zum Menschen zu wahren, ihm Respekt erweisen und das ist besonders wichtig , Vertrauen zum Menschen aufbauen. Denn lernt es, dass es sich in der Nähe des Menschen sicher fühlen kann, wird es sich entspannen und seine Angst verlieren, was die folgende Arbeit um ein Vielfaches erleichtert. Ist dieses Training abgeschlossen (das kann schon gut eine Woche und länger dauern), beginnt man mit der Gewöhnung an die Trense. Dazu nimmt man eine Trense und schnallt ein dickes doppelt gebrochenes ( am Besten sind die KK Ausbildungsgebisse) Gebiss ein, schnallt die Trense schon in etwa auf die Größe des Pferdekopfes und trenst auf. Ist die Trense drauf dann ist ein Äpfelchen oder ein Stück Zucker als Belohnung, aber auch um das Pferd an das Gebiss zu gewöhnen sehr gut. Die Trense sollte die ersten Male nicht zu fest verschnallt werden. Nun kann das Pferd an der Trense ein wenig geführt werden. Nach einigen Auftrensübungen hat sich das Pferd schnell daran gewöhnt. Die ersten Male kann der Sattel durchaus in der Box aufgelegt werden, da reicht das bloße kurze Auflegen schon aus ( ohne Sattelgurt). Wenn das Pferd alles brav macht kann man schon in die Reithalle oder auf den Platz gehen. Hierzu sollte man eine 2. Person haben. Dem Pferd wird über die Trense das Halfter gezogen, so kann die Longe im Halfter eingeschnallt werden und das Pferdemaul wird geschont. Eine Person hält nun das Pferd, streichelt es und spricht beruhigend, während die andere Person vorsichtig den Sattel auflegt. Der Sattelgurt sollte nicht zu straff angezogen werden, aber auch nicht so locker, dass der Sattel unter den Bauch rutschen könnte. Ist der Sattel fest kann das Pferd angeführt werden. Erst beim loslaufen bemerkt das Pferd den Gurt am Bauch und es kann ängstlich werden. Um ein losbocken zu vermeiden wollen wir nur führen, sollte das Pferd sich unwohl fühlen, dreht man es immer wieder um seine eigene Achse, da kann es nicht bocken. Viele lassen die Pferde an der Longe bocken und rennen, wir wollen dies vermeiden, da das im Grunde kein Erfolgserlebnis für das Pferd ist und wir diese Spannung nicht aufkommen lassen wollen. Das Pferd soll lernen uns zu vertrauen und merken das der Sattel keine Gefahr darstellt. Es sollte viel mit Lob gearbeitet werden und die Trainingseinheiten sollten nicht zu lange andauern. Hat das Pferd etwas gut gemacht, kann man schon nach sehr kurzer Zeit aufhören, Pferde haben ein gutes Gedächtnis und lernen dann schneller, hier wirken die sogenannten positiven Verstärker. Ist das Pferd an den Sattel gewöhnt kann man es langsam an das Reitergewicht gewöhnen. Dabei legt man dem gesattelten und getrensten Pferd, welches von einer 2. Person gehalten wird, den Arm auf den Sattel bzw. über den Sattel und hängt sich langsam drauf. Dies macht man einige Male von beiden Seiten. Bleibt das Pferd dabei ruhig kann man von einer 3. Person schon vorsichtig mit dem Bauch über den Sattel gelegt werden. Zum Anfang nur kurz und mehrmals von beiden Seiten. Später kann das Pferd so angeführt werden. Der Vorteil an dieser Lage ist, dass der Reiter sich, sobald das Pferd Angst bekommt, einfach herunter rutschen kann.
Am Anfang wird das Pferd wieder um seine eigene Achse gedreht , da kann es das Reitergewicht spüren und sich daran gewöhnen, später kann das Pferd auf großen Linien geführt werden. Hat man das einige Male gemacht (d.h. mehrere Tage, je nach Reaktion des Pferdes), kann man sich schon vorsichtig von einer 3. Person in den Sattel heben lassen. Hier sind langsame, ruhige Bewegungen wichtig. Auch dies sollte wieder von beiden Seiten mehrmals durchgeführt werden. Klappt alles kann das Pferd mit dem Reiter angeführt werden, zuerst um die eigene Achse drehen, dann ganze Bahn oder Zirkel. Jetzt sollte das Pferd regelmäßig unter dem Reiter im Schritt geführt werden, bis es sich völlig entspannen kann. Dann kann es auch schon im Trab geführt werden. Hat sich das Pferd im Schritt und Trab an den Reiter gewöhnt ist es sehr hilfreich ein zweites, erfahrenes Pferd dazu zu holen, als Führpferd. Dieses Führpferd wird vor das junge Pferd gesetzt. Das junge Pferd läuft diesem erfahrenen Pferd hinterher und der Reiter kann das Pferd durch wenig Einwirkung an das Reiten gewöhnen. Praktisch ist ein Steigbügelriemen der um den Hals des Pferdes geschnallt wird und mit den Zügeln zusammen aufgenommen wird, denn damit kann man das Pferd schon gut regulieren und das empfindliche Pferdemaul wird geschont. Zwischen den Trabreprisen sollte das Pferd als Belohnung immer wieder am langen Zügel entspannen können. Hat sich das Pferd an die Reiterhilfen gut gewöhnt und lässt es sich "lenken", kann ohne ein zweites Pferd geritten werden. Jedoch sollte die Intensität des Reitens angepasst sein, so sagt man, dass ein Pferd im ersten Monat unter dem Sattel einmal pro Woche gearbeitet wird, im zweiten Monat 2mal, im dritten 3mal usw.. Nach dem Anreiten wird das Pferd erst anlongiert. Viele longieren die jungen Pferde vor dem Anreiten an, aber da die Pferde so unnötig Kondition und Kraft aufbauen und das laufen auf dem Zirkel für die meisten jungen Pferde noch schwierig ist, machen wir es danach. Jedoch führen viele Wege bekanntlich nach Rom. Das junge Pferd sollte jetzt weiter gemäß der Ausbildungskala (Takt-Losgelassenheit-Anlehnung-Geraderichtung-Versammlung) ausgebildet werden. Aufgrund seiner Veranlagung kann es als Springpferd, Dressurpferd, Vielseitigkeitspferd aber auch als Freizeitpferd weiter gefördert werden. Jedoch ist die grundlegende Dressurarbeit die Basis für alles Weitere.
 
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