Dienstag, den 01. Juni 2010 um 10:01 Uhr

2010 ein Jahr, das dem Züchter wohl zum Nachdenken verleitet.

 

Was für ein verrücktes Jahr haben wir hinter uns. Alle reden von der Wirtschaftskrise und auch bei uns Züchtern ist diese wohl angekommen. Wen wundert es, denn in Krisenzeiten wird in erster Linie am Hobby gespart.

Aber ist das wirklich so? Oder nutzen andere Leute diese Situation einfach nur schamlos aus?

 

Die Entwicklung am Pferdemarkt war auch schon im Jahr 2008 abzusehen. Jeder, der irgendein kleines Geschäftchen anleierte, wollte eine Provision haben. Ich kenn da jemand, aber ich will dafür auch was sehen, war die Devise.

 

Blättert man die Seiten im Internet durch, bekommt man ein Spitzenfohlen, mit Top- Verwandtschaft schon für 2500,- bis 3500,-€. Fohlen von Junghengsten lassen sich nur schlecht vermarkten, so dass bei einer derartigen Anpaarung der Züchter nur draufzahlt. Dadurch besteht die Gefahr nur noch mit Modehengsten zu züchten und nicht, um auch einen Zuchtfortschritt zu erzielen. Dies ist jedoch der eigentliche Zweck der Zucht, seine Produkte immer weiter zu verbessern.

Aber auch im Reitpferdebereich ist die Situation ähnlich. Verschiedene Verkaufsveranstaltungen, die von Leuten und Verbänden ins Leben gerufen wurden, fanden einfach nicht die nötige Resonanz. Geht man davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 50.000 Warmblutfohlen geboren werden, stehen ebenfalls jedes Jahr mindestens 20.000 Reitpferde zum Verkauf, von denen finden wir etwa 1000 Pferde auf Auktionen und Verkaufsveranstaltungen. Beobachtet man das Geschehen auf Auktionen, kann es nicht befriedigend sein, dass einige Pferde zu utopischen Preisen gehandelt werden und andere möglicherweise vom Besitzer zurückersteigert werden, weil der erstrebte Verkaufserlös nicht erzielt wird.

Betrachten wir jedoch das internationale Turniergeschehen, sehen wir regelmäßig Deutsche Zuchtprodukte in den vorderen Rängen. Das bedeutet doch eigentlich, das die Deutschen Sportpferde, sei es Hannoveraner, Holsteiner, Oldenburger oder auch das Deutsche Sportpferd, Top-Zuchtprodukte für den professionellen Dressur-oder Springsport sein müssen. Alle hochwertigen Produkte in Deutschland, werden im Normalfall auch hochwertig gehandelt. Bestes Bespiel dafür ist die Automobilindustrie. Wir als Züchter stehen vor einem riesigen Problem. Wir züchten mit meist genetisch hochwertigem Material, was wir teuer bezahlen. Keinem Kunden interessiert es wie viele Male der Tierarzt kommen musste, um die Stute überhaupt tragend zu bekommen, wie viele Totgeburten oder weniger gelungene Produkte in einem Zuchtjahr entstanden sind. Der Kunde will heut nur die besten Zuchtprodukte zum kleinen Preis.

Bsp.: Ein Hengst qualifiziert sich zum Bundeschampionat, platziert sich dort und ist aufgrund seiner Erfolge anschließend gekört worden. 12.000,-€ war das Angebot, welches der Eigentümer ausschlug, weil dies wohl als Hohn zu bezeichnen ist. Bedenkt man die Arbeit, die darin steckt, um das Pferd überhaupt bis zum Bundeschampionat zu bringen, hat der Züchter wohl richtig gehandelt.

Ein weiteres 7-jähriges Pferd Springpferdeprüfungen der Kl. M gewonnen und offen L platziert wurde verhandelt, für 10.000,-€. Die Ankaufsuntersuchung ergab eine Röntgenklasse III, da die Strahlbeinkanälchen des Vorderhufes vergrößert waren und am Hinterbein eine isolierte Verschattung festgestellt wurde. Die gleichen Befunde wurden bereits 2006 bei diesem Pferd festgestellt ohne Veränderung zu 2010. Der Vermeintliche Kunde sprang vom Kauf ab, weil das Pferd mit diesem Befund zu schwer zu vermitteln sei.

Ein weiteres Pferd, eine 5-jährige Stute, die im letzten Jahr ein Championatsfohlen stellte und die Staatsprämienanwartschaft in der Bewertung erhielt, wurde dieses Jahr angeritten und machte bereits sehr gute Sprünge. Hier waren ebenfalls 10.000,-€ Verhandlungssumme einguter TüV voraussgesetzt. Nach der Untersuchung gab der Tierarzt eine Röntgenklasse II da ebenfalls die Strahlbeinkanälchen des Vorderhufes vergrößert waren, ansonsten war überall kein Befund festzustellen. Der Kunde verlangte Einsicht in die Röntgenbilder durch seinen Tierarzt der dafür nur eine Röntgenklasse III vergeben wollte. Aus diesem Grund kam das Geschäft nicht zu Stande.

Was bedeutet jedoch Röntgenklasse III? Laut Röntgenkatalog: Es ist wenig wahrscheinlich, dass in Zukunft irgendwelche Beeinträchtigungen aufgrund des Befundes auftreten werden. Bedenkt man die Preisklasse dieser Pferde, weiß jeder, dass er bei dieser Summe ein Pferd für den ländlichen Turniersport kauft. Jedoch sollte in diesem Bereich nicht durch irgendwelche Pferdehändler mit dem Züchter Schindluder getrieben werden. Diese kaufen hier beim Züchter und nutzen sein Unvermögen das Pferd selbst groß raus zubringen schamlos aus, um es ein halbes Jahr später für das Doppelte und Dreifache zu veräußern.

Wie kann man als Züchter nun weiter verfahren? Meines Erachtens geht es nur über eine Züchtervereinigung, die im Rahmen eigener Vermarktungsformen in einer Gemeinschaft agiert. Von den Zuchtverbänden egal welcher Rassegruppenzugehörigkeit kann man nicht auf große Unterstützung hoffen. Wir sehen an Hand der durchgeführten Verkaufsveranstaltungen durch die Verbände, dass selbst aus dem vorher ausgesuchten Verkaufslot, nicht die erhofften Umsätze erzielt werden. Eine Alternative scheint die neue Ausbildungsförderung des Trakehnerverbandes zu sein. Hier werden vom Verband, die Pferde, die innerhalb der Saison für die Auktion vorgesehen sind, speziell gefördert. Dazu kommen diese Pferde in entsprechende Ausbildungsställe, mit denen folgender Vertrag vereinbart wird. Der Verband zahlt 200,-€ monatlich und der Züchter 300,-€ pro Ausbildungsmonat. Damit rechnet sich dies möglicherweise für alle beteiligten Parteien. Der Ausbildungsbetrieb kann mit sicheren Einnahmen rechnen und hat somit Planungssicherheit auch für die Zukunft. Der Verband  kann darauf vertrauen, sehr gutes Pferdematerial auf seinen Auktionen anzubieten und somit höhere Umsätze erzielen. Damit fallen die Provisionsbeiträge für den Verband entsprechend höher aus. Und der Züchter hat so die Chance sein Zuchtprodukt mit entsprechendem Gewinn zu veräußern, so dass er auch für die Zukunft seinen Zuchtbetrieb aufrechterhalten kann.

Sicherlich ist es so, dass der Züchter hier wieder den größten Anteil vorfinanziert, jedoch steigert sich dadurch auch deutlich die Chance, dass sein Zuchtprodukt auch einen neuen Eigentümer findet. Die Masche, wie es zur Zeit noch Gang und Gäbe ist, für jede kleine Vermittlung eine Provision einzustreichen oder Kundschaft nicht weiter zu schicken zum nächsten Bekannten, aus der Angst, sonst könnte der ja vielleicht ein Geschäft machen, sollten verschwinden. Denn wenn der Kunde bei mir kein Pferd findet, bin ich ihn vielleicht für immer los und er wird auch zu anderen sagen: „Da war nichts interessantes." Jedoch wenn man ihn zu einem Züchterkollegen schickt und er findet dort vielleicht sein Traumpferd, wird er sich auch an Sie erinnern, weil Sie ihm die Empfehlung gaben. Möglicherweise bringt dieser Ihnen dann aucheines Tages einen Kunden, weil er Sie in guter Erinnerung behalten hat.

Für uns Züchter ist also ein dringendes Umdenken erforderlich und das geht nur in der Gemeinschaft.

In diesem Sinn

Heino Heinz

 
Banner

sportpferd bei twitter.com

twitter_icon

Wer ist online

Wir haben 35 Gäste online
Copyright © 2017 sportpferd-international.de. Alle Rechte vorbehalten.
Portal für Sportpferde, Pferdesport und Pferdezucht. sportpferd-international.de
Banner