Evolution Drucken

Die Evolution des Pferdes (Equus)


Das Pferd ist ein Einhufer (Equidae) und gehört zur Familie der Säugetiere aus der Ordnung der Unpaarhufer. Der Begriff Equus (Pferde) umfasst nur diese lebende Gattung. Zu dieser Familie gehören alle Tiere die als Pferde, Esel und Zebras bezeichnet werden. Zu der Ordnung der Unpaarhufer gehören auch die Tapire und die Nashörner. Äußere Merkmale, Eigenschaften, Verhalten und Umweltansprüche des heutigen Equus sind aus der Evolution entstanden. Durch diese veränderten sich Größe, Gehirn, Zahnbau und Zehen. Diese Veränderungen resultieren aus der Änderung der Lebensweisen durch Klimaschwankungen, an die sich die Arten im Laufe der Evolution angepasst haben. Die ältesten Formen waren Waldbewohner und Laubfresser. Die Stammesgeschichte der Pferde zählt zu den am besten erforschten der Säugetiere. Ein Großteil der Evolution der Pferde vollzog sich in Nordamerika, doch immer wieder wanderten Seitenlinien nach Eurasien ein. Afrika wurde von den Equiden erst im Miozän, Südamerika im oberen Pliozän.

Graphik
Eozän

Als ältester Vertreter gilt Hyracotherium auch Eohippus genannt. 1838 und 1839 fand man in Südengland alttertiäre Schädelreste und Zähne. Es gab hier mehrere Arten. Die kleinste war katzengroß und die größte war ca. 50 cm Widerristhöhe. Hyracotherium hatte einen vierzehigen Vorderfuß, bei dem die erste innere Zehe reduziert war und einen dreizehigen Hinterfuß. Diese sahen wenig pferdeähnlich aus mit ihrem aufgewölbten Rücken und dem kräftigen Schwanz. Über die systematische Stellung des Hyracotherium wird gestritten, wobei man annimmt, dass diese Art nicht als direkter Vorfahre zu dem heutigen Pferd gesehen werden kann, vielmehr ist es ein Verwandter des Palaeotherium und des Propalaetherium die zur Gattung der Palaeotheriidae gehört und im Oligozän ausstarben. Der erste Vertreter der Pferde war Pliolophus. Diese ähnelten zunächst sehr den Hyracotherium. Orohippus lebte vor ca. 50 Millionen Jahren in Nordamerika und war ein Nachfahre des Pliolophus. Er unterschied sich schon stark von diesem hinsichtlich der Zähne und der Zehen und konnte vermutlich schon festere Nahrung zu sich nehmen. Dessen Nachfahre Epihippus lebte vor 47 Millionen Jahren in Nordamerika.

Oligozän

Aus Orohippus und Epihippus enwickelte sich im Oligozän die Unterfamilie der Anchitherinae. Vor ca. 40 Millionen bildete sich die Gattung Mesohippus heraus. Dieses Tier war ca. 60 cm groß, der Rücken war weniger gekrümmt als der seiner Vorfahren und Beine und Schädel waren länger. Mesohippus hatte hinten und vorn drei funktionale Zehen, die 4. Zehe vorn kann man hier schon als rudimentäres Organ betrachten. Vor ca. 35 Millionen Jahren entwickelte sich die Gattung Miohippus, welche ihre Vorfahren an Größe nun schon deutlich übertrafen.

Miozän

Im Miozän veränderte sich das Erdklima, es wurde trockener, die Wälder wurden kleiner und es entstand eine Steppenlandschaft. An diese Steppe passten sich die Pferde nach und nach an. Sie wurden größer und auch die Zahnkronen-Flächen vergrößerten sich, denn die Ernährung des Pferdes stellte sich langsam von Laub auf Gras um. Nach Mesohippus und Miohippus im Oligozän lebten spätere Gattungen der Anchitherinae in Nordamerika. Eine davon war Anchitherium, sie kamen über die Bering-Brücke nach Eurasien und besiedelten diesen Kontinent. Sie breiteten sich von Spanien bis China aus, aber starben nachkommenslos aus. Die Vorfahren unserer heutigen Pferde sollten sich aus anderen Gattungen der Anchitherien entwickeln. Vor 23 Millionen Jahren tauchte Parahippus auf. Dieses Tier hatte auch noch drei Zehen und schon längere Zähne als die Vorfahren. Aus Parahippus entwickelte sich dann vor 18 Millionen Jahren Merychippus , dieser zählt schon zu der selben Unterfamilie wie unser heutiges Pferd. Merychippus hatte noch drei Zehen aber schon Zähne mit einer hohen Zahnschmelzschicht, außerdem waren die Zähne schon viel hochkroniger als die seiner Vorfahren. Dieses Tier hatte eine Größe von ca. einem Meter. Aus dieser Gattung entwickelte sich vor 12 Millionen Jahren Hipparion, welcher über die Bering- Brücke nach Eurasien kam und sich sogar bis auf den afrikanischen Kontinent ausbreitete. Hipparion gehörte schon zu den Equini zu den unsere heutigen Pferde zählen. Die Tiere dieser Zeit waren nun schon einzehig .

Plio-Pleistozän

Vor ca. 2,5 Millionen Jahren gelangten die ersten Vertreter der Pferde (Equinae) von Nordamerika nach Eurasien. Und vor ca. 1.5 Millionen erreichten die ersten Pferde der Gattung Equus Eurasien. Mit der Entstehung der Landbrücke von Panama konnten diese Pferde auch in Südamerika einwandern. Es wird vermutet, dass alle Pferde auf zwei Arten zurückzuführen sind. Auf eine schlanke Art und eine caballine Art, die wahrscheinlich mit dem Eurasischen Przewalski- Pferd identisch ist. In Amerika starben die Pferde vor ca. 10000 aus unerklärter Ursache aus. Das heutige Wildpferd (Equus ferus) geht vermutlich auf die besonders großen Wildpferde des Eiszeitalters zurück.

 

Die rezenten Arten

 

Die Anzahl der Pferdearten ist umstritten , es werden meist sieben oder acht unterschieden.

Das Wildpferd ( Equus ferus) ist in den 60er Jahren mit dem Przewalski-Pferd in freier Wildbahn ausgestorben. Die im 19. Jahrhundert ausgestorbenen Tarpane stellen Unterarten dieser Art dar. Es ist die Stammform des Hauspferdes.Przewalskipferd

Der afrikanische Esel ( Equus asinus) , dieser Wildesel ist in freier Wildbahn vom aussterben bedroht und ist die Stammform des Hausesels.

Der asiatische Esel ( Equus hemionus), auch als Halbesel oder Pferdeesel bezeichnet, ist vom Iran bis Indien und in die Mongolei verbreitet.

Der Kiang ( Equus kiang) lebt im Hochland von Tibet und angrenzenden Gebieten. Er ist größer als der asiatische Esel und pferdeähnlicher.

Das Grevyzebra (Equus grevyi) ist an den sehr engen Streifenmustern erkennbar. In Kenia leben nur noch wenige tausend Tiere und gilt als eine vom aussterben bedrohte Art.

Das Bergzebra ( Equus zebra) ist in Namibia und Südafrika zuhause uns ist die kleinste Zebraart. Die Querstreifen reichen bis zu der Schwanzwurzel

Das Steppenzebra (Equus quagga) ist beheimatet vom Sudan bis Südafrika. Bei dieser Art ist auch der Bauch gestreift und zwischen den Streifen sind oft hellere Schattenstreifen.

 

 

Ebhardt (1956) und Schäfer (1971) unterteilen vier Ausgangstypen des modernen Pferdes: Urpferd

 

• Typ I – Ur-Pony

• Typ II – Tundrenpony (Ur- Kaltblüter)

• Typ III – Steppenpferd

• Typ IV – Ur-Araber

 

 

Typ I –Ur-Pony

- ca. 120 cm Widerristhöhe

- runde Formen, große Kruppenbreite in Relation zur WH, gerade Nase, breite Stirn, kurze Ohren, Tendenz zur      Kleinwüchsigkeit

- gute Futterverwerter

- aufmerksam, lebhaft, sehr lernfähig, nervenstark, geringe Individualdistanz

- Kompaktes, abgerundetes Gebäude, muskulöser, hoch aufgesetzter Hals

- Fossilienfunde auf allen Kontinenten zeigen weite Verbreitung

meistverbreitete Typ

- bis heute fast unverändert EXMOOR Pony, Stammvater aller Moor- und

Mountainponys sowie zahlreicher Landschläge Nord-, West- und Nord-Ost-

Europas

 

Typ II – Tundrenpony

 

- unter dem Einfluss ariden, asiatischen Steppenklimas entstanden

- ca. 140 bis 170 cm Widerrist

- wesentlich derber, und massiger, aber mit ähnlichen Anlagen; behäbiges,

langsames Schrittpferd von z.T. beachtlicher Körpergröße, derber, im

Winter „bärenartiger" Behaarung

- Langer, ramsnasiger Kopf, tonniger, langer Rumpf, steile Schulter,

abschüssige Kruppe

- Standorttreue => unterschiedliche Varianten (Groß- und Kleinformen,

Steppen- und Waldformen), Geordneter Herdenverband, eher phlegmatisch

- wahrscheinlich Urahn aller westeuropäischen und alpenländischen

Kaltblüter als auch Kleinpferde (vermutlich am nächsten: Highland-Pony)

 

Typ III – das Steppenpferd

 

- ca. 140 bis 160 cm Widerristhöhe, Tendenz zur Großwüchsigkeit

- langer, schlanker, leicht „geramster" Kopf; langer, hoch aufgesetzter Hals,

tiefer, schmaler Rumpf, mit feinem Deck- und dünnem Langhaar

- ortstreu, lockere Herdenverbände mit deutlichem Individualabstand

- ursprünglich von Asien bis Südeuropa und Nordafrika verbreitet; dann

Einengung auf Steppengebiete

- heutige typische Vertreter: Berber, Sorraia, Turkmenen

Sorraiapferd, ein Vorfahr des iberischen Pferdes und zahlreicher großrahmiger

Pferderassen;

Berber, ein Vorfahr des iberischen Pferdes und beteiligt an der

Entstehung des englischen Vollbluts

 

Typ IV – der Ur-Araber

 

- ca. 120 cm Widerristhöhe

- Kleiner Kopf (Laubfresser-Rupf-Gebiss), große Augen und Nüstern, kleine Ohren

- steile Schulter, waagerechte Kruppe => schneller, flacher, ausdauernder Galopp

- kurzer, tiefer, schmaler Rumpf; feines Deck- und dünnes Langhaar

- gesellig in kleinen Herden lebend, ausdauernd

- ursprünglich weitverbreitet (Südasien bis Ägypten); Stammvater aller edlen

orientalischen Rassen, besaß weitgehend alle Merkmale des Wüstenarabers

 

Einteilung in der Pferdezucht

Reitpferde

 

- alle bekannten Warmblutrassen, die vorrangig als Reitpferde genutzt werden

- Widerristhöhe = 158 cm

- bekannteste Vertreter: Hannoveraner, Holsteiner, Oldenburger, Trakehner, Deutsches

Sportpferd

 

Ponys

 

- Pferde mit Widerristhöhe = 148 cm

- runde Formen, große Kruppenbreite in Relation zur WH, gerade Nase, breite Stirn, kurze

Ohren,

-Tendenz zur Kleinwüchsigkeit

- gute Futterverwerter

- aufmerksam, lebhaft, sehr lernfähig, nervenstark, ausdauernd

aus Typ I herausgezüchtet

- bis hin zu sportlichen, mit englischem und arabischem Vollblut

veredelten Ponys => britische Reitponys (Welsh), Deutsches Reitpony

 

Kleinpferde

- Pferde mit Widerristhöhe = 148 cm

- gute Futterverwerter

- ursprünglich eher phlegmatisch

aus Typ II herausgezüchtet

- heute auch Tendenz zu eleganteren Typen durch Selektion

bekannteste Vertreter Haflinger (Tirol) Fjordpferd (Norwegen)

 

Spezialrassen

- Pferde mit Widerristhöhe = 148 cm

- Ursprünge der hierzu zählenden Rassen regional begrenzt, mittlerweile auch weltweite Ausdehnung

- auch für spezifische Nutzung/Reitweisen gezüchtet

- bekannteste Vertreter Kaltblutpferde Friesenpferde (Barockpferde) Lipizzaner Criollos Andalusier/Lusitanos

 

 

Shetland Pony

 

- zu den kleinsten Pferderassen der Welt zählend, Stockmaß 75 – 107 cm

- gutes Temperament, hohe Zugwilligkeit, zäh, ausdauernd, voller Kraft

- äußerst genügsam

- Nutzung

- Fahr- und Reitpferde für Kinder

- Fahrpferde im Hobbybereich

- leichte Arbeiten

- ursprüngliches Zuchtgebiet: Shetland-Inseln

- Farben: alle möglich

 

Haflinger

 

- robuste zugsichere Ponyrasse

- Ursprung: Südtirol – Dorf Hafling Namensgeber

- Entstanden aus dem Einsatz eines Arabers in der gemeinen Landrasse

- in der Regel gutartiges Temperament

- Vollblutanteil wird in der modernen Haflingerzucht zurückgedrängt

- Stockmaß: um 143 cm

- Farbe: Fuchsfarbe mit weißem Mähnen- und Schweifhaar

- Einsatz: mäßig schwerer Zug, auch im Tourismus als Reit-, Kutsch- und Wagenpferd

 

Deutsches Reitpony

 

entstanden aus der Kreuzung mittelgroßer Ponyrassen mit Araber bzw. engl. Vollblut, mit

dem Ziel, weiterführender Reinzucht

- Allrounder: Freizeit- und Sportpony im Kinder- und Jugendbereich, Fahrpony

- hohes Temperament, Turniereignung (Dressur, Springen, Vielseitigkeit)

- Stockmaß i. d. R. 140 – 148 cm

- Farbe: breite Fächerung aufgrund der Entstehung

- auch heute noch starke Selektion notwendig

 

Rheinisch-Deutsches Kaltblut

 

- Ab Mitte des 19.Jhdt. auf belgischer und rheinischer Grundlage gezüchtet

- Stockmaß = 158 cm

- Farbe Füchse, Braune, Rappen, Fuchs-, Braun und Rappschimmel

- Nutzung: Fahrpferd im Tourismus, Holzrückearbeiten, Gütertransport

Weblinks zum weiterlesen:

www.egbeck.de/skripten/13/pferd.htm