Holsteiner Körung 2010
Montag, den 29. November 2010 um 19:32 Uhr

Die Nachlese zu den Herbstkörungen des Holsteiner Verbandes und der Süddeutschen Verbände in Neustadt/ Dosse wurde von einem erfahrenen Züchter geschrieben. Aus der Zucht von Heino Heinz stammen erfolgreiche Sportpferde und ein gekörter Hengst. Seine Gedanken sollen ein Denkanstoß sein.

Züchterische Nachlese der Körungen in Neumünster und Neustadt/Dosse .

Wie jedes Jahr finden in den Herbstmonaten die Körungen für Warmblutpferde der jeweiligenZuchtverbände statt. Begonnen wird in Hannover gefolgt von Redefin, Neumünster, Neustadt/Dosse, Vechta und schließlich Münster-Handorf.Was bleibt für den Züchter als Erfahrung hängen. Nehmen wir zuerst die Holsteiner Körung in Neumünster.Von dem aufgetriebenen Lot wurden 23 Hengste gekört, wobei der Körsieger (ein Sohn des Larimar) für viele nicht unbedingt an vorderster Front gesehen wurde. Dies spielt jedoch für diese Auswertung keine Rolle, hier ging es wohl lediglich darum das gute alte Blut des Ladykillers xx zu würdigen. Betrachten wir uns das Körlot in den hinteren Generationen, fällt auf, dass Cantus, Caletto und Calypso II sich besonders hervortun. Der Vater bzw.Großvater dieser Hengste ist kein geringerer als Corde la Bryere AN. Weiterhin treffen wir auf Hengste wie Capitano, Capitol der die Linie des Cottage son xx verdeutlicht.

 

 

Lediglich bei den zwei gekörten Nachkommen des Singulord Joter treffen wir auf andere Blutströme, wobei wir hier einmal in der Mutterlinie Alme-Blut und Cottage son xx-Blut wieder finden. Die direkte Anpaarung mit Armand xx oder Lauries Crusador xx verspricht meines Erachtens auch nicht den Vorstellungen einer modernen Springpferdezucht. Der Mythos einen echten Holsteiner zu besitzen gerät langsam ins Schwanken. Hier wird seit Jahren mit Corde-Blut und Cottage Son xx-Blut hin und her gekreuzt, was das Zeug hält und man glaubt tatsächlich den „Stein der Waisen" damit gefunden zu haben. Alte bewährte Blutströme wie Alme Z, Ramzes AA, Anblick xx, Sacramento Song xx, Wahnfried xx, Farnese oder Marlon xx werden immer mehr nach hinten gedrängt. Der Versuch frisches Blut in die Holsteiner Zucht zu bringen, scheitert an den „Oberen" oder an der Züchterschaft selbst. Für international sporterprobte Deckhengste, die die Zulassung als Zuchtversuch erhalten, sind die Decktaxen meißt zu teuer, so dass der normale Züchter dadurch bereits abgeschreckt ist, einen solchen Hengst zu nutzen. Gerade in dieser Hinsicht sollte seitens des Verbandes neuer Schwung entwickelt werden. Der beste Körjahrgang in Holstein liegt bereits 6 Jahre zurück und es hat sich seit dieser Zeit recht wenig getan. Ich bin mir sicher, wenn nach Leistungsprinzip entschieden werden soll, muß bereits bei der Vorbesichtigung zumindest jeder Hengst erst einmal beim Freispringen bewertet werden, bevor weiter sortiert wird. Es macht auch keinen Sinn, wenn der 124. Hengst aus dem Stamm 18A1 oder 2 bzw. 776 kommt. Eine Inzucht der Inzucht kann für ein bis zwei Generationen sicherlich zu einem besseren Zuchterfolg führen, ist auf Dauer jedoch abzulehnen. Immer mehr Sportreiter nutzen deshalb z.Z. Springpferde aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich, so dass die Holsteiner Springpferdezucht nicht mehr zu den anerkanntesten in der Welt gehört. Dies zeigte sich besonders deutlich bei der diesjährigen Auktion, die sicherlich nicht den gewünschten Erfolg einbrachte. Positiv ist jedoch die Verbesserung der Gangkorrektheit zu bewerten, was bei einer Leistungszucht auch weiterhin große Beachtung finden sollte.

Ein anderes Bild zeigte sich bei der erstmals durchgeführten Süddeutschen Körung in Neustadt/Dosse. Gerade in der Dressurpferdezucht sieht man die fortschrittliche Denkweise der Züchter und auch der Körkommission. Hier sehen wir in den hinteren Generationen Hauptvererber wie Bolero, Donnerhall, Florestan, Krack C, Quando-Quando oder Sandro Hit. Das besondere ist jedoch, dass in den Mutterlinien Vererber wie Leandro, Lord Liberty,Landgraf, Calypso II und Pilot zu finden sind. Dies sind ursprünglich ausschließlich Springpferdevererber. Jedoch ist in der Dressurpferdezucht ein gewisser Anteil an Springgenen erwünscht, um hier immer wieder eine gewisse Lockerheit und Nervenstärke, sowie die sich selbst tragende Hinterhand mitzugeben. Vor einigen Jahren war das Denken der Züchter in dieser Hinsicht noch ganz anders. Da wurde jeder Strampler mit einem Weiteren verpaart und es zeigte sich schnell, dass es sich dabei zwar um „Eyecatcher" handelte, die möglicherweise auch in den Reitpferdeprüfungen noch Punkte sammeln konnten, jedoch für die höhere Dressur einfach zu nervig wurden. In der Springpferdezucht zeigt sich jedoch ein ähnliches Bild, wie in Holstein. Capitol-und Cordegene bestimmen hier die Auslese. Vorteil ist hier jedoch, dass diese Blutströme mit brandenburgischen oder oldenburgischen Mutterstämmen vermischt werden, so dass der Inzuchtgrad relativ gering gehalten werden konnte. Lediglich der Pizzaro- und der Stolzenbergsohn hatten mit Animo oder Spartan andere Gene, die ebenfalls bewährtes Springblut enthalten. Jedoch sollte auch bei der zukünftigen Auswahl auf Vielfalt geachtet werden, um nicht in den Kreis der Holsteiner Zucht zu gelangen. Es hat sich gezeigt, dass die hier gekörten Springhengste den Holsteinern auf keinen Fall hinterher laufen. Um für die Zukunft am Markt bestehen zu können hat sich der Zusammenschluß der mittel- und süddeutschen Verbände gelohnt. Ich bin auch der Meinung, dass dies ruhig deutschlandweit geschehen kann. Vielleicht kann es angedacht werden, dass man sich auf ein Deutsches Springpferd und ein Deutsches Dressurpferd, mit Einschränkungen wäre ein Deutsches Halbblutpferd noch denkbar für weitere Veredelungen und für den Vielseitigkeitssport. Der Erhalt eines Brandzeichens hätte sich erübrigt oder es müsste ein Neues erfunden werden.In diesem Sinne auf in die nächste Zuchtsaison.

 
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