Hengstpräsentation bei Heiko Schmidt

Im Jahr 2000 war Heiko Schmidt und seine Deckstation nur wenigen Insidern bekannt. Zehn Jahre später muß man staunen, was dieser junge Mann in den letzten Jahren bewegt hat. Besonders beeindruckend ist dabei, dass er sowohl sportlich, als auch züchterisch absolut auf dem Vormarsch ist.

Mit seiner Veranstaltung am letzten Wochenende toppte er

(natürlich mit Unterstützung seiner Familie und vielen fleißigen Helfern) alles bisher da Gewesene, was der Osten für uns Pferdefreunde zu bieten hat. Ein hochkarätig besetztes Turnier mit erstmalig ausgetragenem Hallenderby und dazu eine Hengstpräsentation, die ein Highlight nach dem anderen bot. In einem großen Partyzelt wurde den Besuchern ein reichhaltiges Speisen- und Getränkeangebot, sowie eine Übertragung der Präsentation per Bildschirm geboten. Man wusste wohl im Vorfeld, dass die Plätze in der Halle nicht ausreichen werden. Ich weiß nicht wie viel Besucher sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen wollten, laut dem Seniorchef (Heinz Schmidt) müssen es an die 2000 Zuschauer gewesen sein. Jeder Platz war besetzt, selbst Stehplätze wurden knapp. Aber jeder wusste sicherlich, dass er nicht umsonst gekommen war, denn die diesjährige Kollektion hatte es in sich. Heiko Schmidt führte dieses Jahr erstmalig in Kooperation mit dem Gestüt Kempke Hof und der Station Sprehe die Präsentation durch, so dass dem interessierten Züchter eine große Auswahl nicht nur an Springkracks, sondern auch an tollen jungen Dressurvererbern geboten wurde. Innerhalb von 2½ Stunden wurde ein abwechslungsreiches Programm geboten, ob mit jungen Springhengsten an der Hand und beim Freispringen, junge Dressurhengste erstmalig unter dem Sattel oder bereits züchterisch erprobte Hengste beim Kurzparcours.

 

 

 

Zuerst bekamen wir die Neuerwerbungen der Station Schmidt an der Hand und beim Freispringen zu sehen. Dies waren der Holsteiner Chandras v. C-Indoctro x Quebec x Calimero; der mecklenburger Springsieger der Körung 2009 Stylist v. Stalypso x Acorado x Chamonix sowie der brandenburger Springsieger der Körung 2009 Quintus Gold v. Quicksilber x Kolibri x Opal/T.. Bei diesen drei Youngstern konnte vor allem Chandras überzeugen, der an der Hand durch eine enorme Hinterhandmechanik beeindruckte und am Sprung ebenfalls jede Abmessung mit Leichtigkeit überwand. Am Sprung könnte sich die Hinterhand vielleicht etwas mehr öffnen, jedoch könnte dies dem noch etwas zu schwachen Rücken geschuldet sein. Im Erscheinungsbild und Habitus beeindruckte meines Erachtens dieser Hengst jedoch am meisten.

Sehr interessant war auch der Hengst Stylist, der ebenfalls durch sehr gute Bewegung an der Hand, sowie am Sprung überzeugte. Seine Technik gegenüber seinem Vorgänger war etwas besser, jedoch vermute ich, dass sein Vermögen nicht an dem seines Vorgängers heranreicht. Um jedes Tier auch kritisch zu betrachten, wünschte man sich bei diesem Hengst etwas mehr Modernität und vor allem Langbeinigkeit.

Quintus Gold machte seinem Namen an diesem Tag keine Ehre. Ich fragte mich ehrlich gesagt, was der Brandenburgischen Körkommission durch den Kopf ging, als sie diesen Hengst gekört hatten. Weder Typ, Exterieur, Bewegung noch Springen konnten bei diesem Hengst überzeugen. Bei der Auswertung mit einigen Besuchern wurde mir bescheinigt, dass dieser Hengst zur Körung bedeutend besser sprang. Ob er züchterisch derzeit interessant ist, wag ich zu bezweifeln. Hier bleibt abzuwarten, wie der weitere sportliche Werdegang verläuft. Wir wissen doch alle, wenn ein Hengst im Sport überzeugt, hat er auch eine Chance in der Zucht, auch wenn hier und da Abstriche gemacht werden müssen.

Anschließend wurden junge Dressurhengste der Station Sprehe vorgestellt von denen mich besonders der Hengst Bailamos Biolley v. Sir Donnerhall x Florestan I x Codex ansprach, obwohl die Dressurpferdezucht nicht unbedingt meine Passion ist. Typ, Exterieur, Grundgangarten unter dem Sattel und Rittigkeit waren für diesen Youngster nur mit vorzüglich zu beschreiben. Ein weiteres Highlight stellte der bereits fünfjährige Christ v. Competent x Picard x Daimyo xx da, der besonders durch auffallende Typwerte und Trabmechanik überzeugen konnte.

Anschließend wurden bereits bekannte Hengste wie Montelini, Crossfire, Canterburry und Chap von der Station Schmidt, sowie Burberry, Canoso, Lantino, Quidamo und Sancisco der jetzt über die Station Sprehe vertrieben wird, vorgestellt. Von diesen Hengsten beeindruckten besonders Chap und Quidamo, der in diesem Jahr unter Heiko Schmidt weiter gefördert werden soll. Mit Leichtigkeit überwanden beide Hengste höchste Abmessungen, wobei man Chap eindeutig die bessere Manier bescheinigen musste, jedoch Quidamo etwas gewaltiger abfußte am Sprung und ihm dadurch vielleicht etwas mehr Vermögen bescheinigt werden könnte. Auch Canoso und Latino hinterließen einen guten Einduck. Bei Canterburry ist sein Vermögungen und seine Bewegungsqualität sicherlich ebenfalls sehr auffallend, jedoch denke ich, dass er als Vater nur für ganz liebe Stuten in Frage kommen sollte, um diesen dann ein wenig Nerv mitzugeben. Charakterlich ist er nicht das einfachste Pferd. Montelini zeigte an diesem Tag nicht unbedingt das, was in ihm steckt, wobei ich vermute, dass dies ein sehr interessanter Vererber werden könnte.

Für Crossfire wünschte man sich, dass er etwas vorteilhafter unter dem Reiter vorgestellt würde. Typmäßig vielleicht nicht sehr hervorstechend, jedoch wer sich noch an sein spektakuläres Freispringen bei der Körung in Prussendorf erinnert, weiß wie viel Saft in ihm steckt. Ich konnte seine Mutter auf einem Turnier beobachten, sie sprang aus jeder Lage vom aller feinsten. Auch der Hengst Burberry ist wohl als normales Pferd zu beschreiben und mir fällt momentan nicht ein, welche Maßstäbe er in der Zucht setzen könnte. Der ehemalige Kempkehof-Beschäler Sancisco beeindruckte durch ein hohes Maß an Rittigkeit. Auch optisch spricht er mich persönlich mehr an, als der im Haupt-und Landgestüt Neustadt/Dosse beheimatete Samba Hit, wobei er an seine Bewegungsqualitäten nicht ganz heranreicht. Durch seinen ständigen Bereiter Ronald Lüders wurde dieser Hengst gekonnt in Szene gesetzt und mit starkem Applaus gewürdigt. Udo Irmisch machte sich ebenfalls auf den langen Weg von Sachsen nach Neu Benthen und stellte den von Tobias Pfitzmann gezogenen Cellestialsohn vor, der auf der Körung 2008 nicht gekört wurde und erst später seine Deckzulassung erhielt. Dieser Halbbruder zum Weltmeister Quicksilber könnte am Sprung absolut überzeugen, jedoch wirkte er etwas unzufrieden bezüglich der Reiterhand. Dieses Pferd wird sicherlich noch im Sport auf sich aufmerksam machen. Züchterisch ist hier eine Anpaarung an blutgeprägte Stuten zu empfehlen, möglichst mit einem etwas schöneren Gesicht.

Zum Abschluß stellte Katrin Schmidt natürlich den Begründer der Erfolgszucht von Heinz und Heiko Schmidt vor: Die so genannte weiße Wolke Cellestial. Mit seinen immerhin schon 16 Jahren zeigte der Hengst, dass er immer noch fit wie ein Turnschuh ist und höchste Abmessungen in Idealtechnik überwindet.

Doch dann kam etwas ganz besonderes. Die Ponykaderreiter von MV stellten die erfolgreichsten Nachkommen von Cellestial unter dem Sattel vor, darunter Coco (Vizebundeschampion,vierter bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde und eines der erfolgreichsten Springpferde deutschlandweit in der Youngstertour), Carimo (Finalist beim Bundeschampionat 2009), Carmina (international erfolgreich und Siegerin der Landesmeisterschaft 2009) .

Hier hatte Heiko Schmidt wieder das richtige Gespür, denn was ist für uns als Züchter wichtig? Die Pferde müssen sich auch reiten lassen. Wie hätte er es besser beweisen können, als mit Leistungspferden von Cellestial unter dem Sattel der Ponyreiter. Eine bessere Werbung geht nicht.

Ein großes Lob an dieser Stelle für diese gelungene Veranstaltung, denn wer im Vorfeld seine diesjährige Zuchtplanung durchgeführt hatte, sollte sich nach dieser Show noch einmal neu orientieren. Ein reibungsloser Ablauf, dank der fleißigen Helfer und ein organisierter Heiko Schmidt, der sich nicht zu schade war, auch selbst mal beim Parcoursabbau zu helfen.

Eine Veranstaltung, die sich mit den renomierten Stationen aus dem Westen Deutschlands messen kann. Ich bin schon gespannt auf das nächste Jahr, wie er das noch toppen will.

Fazit für alle Neider: Wer unbeirrt sein Ziel verfolgt, dabei ehrgeizig, fleißig und sicherlich auch clever ist, kann es auch zu etwas bringen und das sollte jeder neidlos anerkennen.

Ein Beitrag von Heino Heinz

 
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