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Springen

Seitdem der Mensch die Pferde als Fortbewegungsmittel benutzt, wird auch gesprungen. Der Springsport jedoch ist erst 150 Jahre alt. Aus den Ullrich KirchhoffÜberlieferungen ist bekannt das schon Xenophon , Schüler des Sokrates und Geschichtsschreiber um 370 v. Chr. Hinweise für das Überspringen von Gräben, Wällen und Hecken. Der erste offizielle Springwettstreit fand 1864 in Dublin statt, aber seit 1912 ist das Springreiten olympisch. Frederico Caprilli ( 1868- 1907) ist Begründer des modernen Springsports, der Italiener führte eine Sitzhaltung ein, bei der sich der Reiter der natürlichen Bewegung seines Pferdes anpasst. Wir bezeichnen diese Haltung als leichten Sitz. Diese Mischung aus dem von den militärischen Dienstvorschriften herrührende dressurmäßige Grundausbildung des deutschen Springpferdes und dem Springstil von Caprilli legten den Grundstein unseres heutigen Springsports. Einst prüfte man Reiter und Pferde in ihrer Fähigkeit, natürliche Hindernisse zu überwinden, während man heute phantasievoll nach Themen gestaltete Fangständer , Einhänge - u. Unterstellteile in bunten Farben für den Hindernispark wählt, dieser Wandel im Parcoursbau führt zu immer wachsenden Ansprüchen an Reiter und Pferd. Diese wachsenden Anforderungen fordern auch eine immer bessere Durchlässigkeit der Pferde, ohne die Unterwürfigkeit derselben, die Pferde sollen ihren Charakter behalten und mit Eigenmotivation und Geist dabei sein. Die Weiterentwicklung des Hindernis- und Auflagenmaterials hat aber auch zu einer Verminderung des Verletzungsrisikos beigetragen. Durch die Spezialisierung des Springsports sind die Parcours auch technisch anspruchsvoller geworden und Kondition und Springvermögen stehen nicht allein im Vordergrund. Die schnelle Abfolge der Hindernisse mit wechselnden Aufgabenstellungen erfordert eine gute Springtechnik, Reaktions- und Konzentrationsvermögen, Rittigkeit, Gehorsam, Galoppiervermögen, Durchlässigkeit d.h. sich aufnehmen lassen, sowie das Tempo schnell zu verstärken und vom Reiter Kontrolle über Weg, Rhythmus, Zeit und Absprung. Oberstes Ziel ist die harmonische Bewältigung der Gesamtaufgabe. Das Springpferd Grundvoraussetzung ist die vielseitige Grundausbildung des Pferdes, diese sollte weitgehend abgeschlossen sein und die dressurmäßige Ausbildung sollte stetig weiterausgebaut werden. Nicht jedes Pferd eignet sich für den Springsport, ein Springpferd sollte von Temperament, Veranlagung und Exterieur einige Eigenschaften mitbringen. Und selbst wenn diese Eigenschaften gegeben sind ist es noch nicht sicher, dass es den Anforderungen des gehobenen Springsports gewachsen ist. Exterieurmängel können zwar bei sonstiger Veranlagung durch reiterliches Können bis zu einem bestimmten Grad kompensiert werden, das zeigen immer wieder hocherfolgreiche Turnierpferde, jedoch muss der Reiter über die Zusammenhänge Bescheid wissen um sein Training darauf abzustellen.

Exterieurmerkmale des Springpferdes:

Der Hals hat die Aufgabe der Balancierstange. Er sollte nicht zu kurz und nicht zu tief angesetzt sein. Die Hinterhand sollte insgesamt genügend gewinkelt sein .Die Kruppe, die Oberschenkel und Unterschenkel lange, schräge Linien aufweisen. Die Fesselgelenke sollten stark sein mit mittellangen, schrägen Fesseln. Der Rücken des Springpferdes sollte nicht zu lang und nicht zu kurz sein, die Oberlinie sollte stabil sein, jedoch kann eine gut ausgebildete Muskulatur geringe Mängel der Oberlinie ausgleichen. Die Hufe des Springpferdes müssen in Ordnung sein (ohne Hufe- kein Pferd). Der Widerrist sollte kräftig und klar sein und möglichst etwas höher liegen als der höchste Punkt der Kruppe. Die Schulter sollte lang sein und schräg. Der Rumpf sollte über eine tiefe, breite Brust und viel Gurtentiefe verfügen, damit Atmungsorgane und Herz genügend Platz haben. Jedoch sollte man bei der Auswahl des Springpferdes ein großes Augenmerk auf den Charakter legen, denn er entscheidet letztendlich über ein erfolgreiches oder ungeeignetes Springpferd. Interieurmerkmale des Springpferdes: Das zukünftige Springpferd wird man schon als Remonte erkennen, denn es zeichnet sich durch Konzentrations- und Reaktionsvermögen, durch Springfreude, Bereitschaft zur Mitarbeit, Kampfgeist aber am wichtigsten durch Springvermögen aus, denn ohne ausreichend Springvermögen wird das rittigste und bestproportionierte Pferd den Ansprüchen des gehobenen Springsports nicht gewachsen sein.

Grundgangarten:

Um sich ein Urteil von den Bewegungen eines Pferdes zu machen sollte man es freilaufen lassen oder an der Hand vorführen lassen. Der Schritt sollte gelöst und raumgreifend sein. Die Hinterhufe sollten genügend weit über die Trittsiegel der Vorderhufe hinaus fußen. Der Trab sollte schwungvoll, federnd sein. Das Pferd sollte die Hufe vom Boden heben und nicht flach über den Boden ziehen. Es ist von Vorteil Schritt und Trab auch von hinten bzw. von vorne zu beurteilen, denn es sollte gerade gehen und nicht nach innen oder außen wegtreten. Ein raumgreifender Schritt lässt häufig auch auf eine genügend große Übersetzung im Galopp schließen, dieser ist die ausschlaggebende Gangart des Springpferdes. Das Pferd sollte im natürlichen Gleichgewicht frisch vorwärts galoppieren und seinen Schwerpunkt nicht auf die Vorhand verlagern, denn das weist schon auf Mängel in der Vorderbeintechnik hin.

Springveranlagung und Springtechnik:

Das Pferd muss in seiner Springveranlagung und auch Springtechnik bestimmte Eigenschaften aufweisen. Das Pferd sollte über dem Sprung basculieren (den Rücken aufwölben und eine Dehnungshaltung einnehmen). Die Beintechnik sollte geprägt sein durch gut angewinkelte Vorder- und Hinterbeine. Die Vorderbeine sollten im Ellenbogen-, Vorderwurzel- und im Fesselgelenk gut gewinkelt werden. Lassen Pferde die Gliedmaßen hängen so kommt es häufig zu Vorhand- bzw. Hinterhandfehlern, die sich nur schwer korrigieren lassen. Tritt ein zu frühes anwinkeln der Hinterbeine kurz nach dem Absprung bei noch jungen , ängstlichen Pferden auf, so kann man das durch weiteres Training und Vertrauensaufbau beheben. Außerdem sollte das Pferd eine gewisse Vorsicht mitbringen. Das heißt es soll aus Fehlern lernen und sich selbst korrigieren. Pferde die sich nach einem Fehler überspringen oder nicht mehr zum Hindernis hin gehen brauchen Training um wieder Vertrauen aufzubauen. Testen der Springveranlagung und des Springvermögens: Bei jungen oder rohen aber auch bei älteren Pferden ist eine gute Möglichkeit die Veranlagung und das Vermögen zu testen, das Freispringen. Schon in den 20er Jahren wurde es durchgeführt, damals sogar als Training. In der Kavallerieschule Hannover besaß man seiner Zeit einen Sprunggarten, das war ein oval eingezäunter Weg mit verschiedenen Hindernisfolgen und Distanzen in dem die Pferde freispringen gelassen wurden. Heute ist das Freispringen als Talentsichtung für junge Pferde zusehen, es wird auf Körungen, Stuteneintragungen und Auktionen praktiziert. Um das Pferd freispringen zulassen , wird gewöhnlich eine Gasse gebaut in der die Hindernisse aufgebaut werden. Die Umzäunung sollte ausreichend hoch sein um ein ausbrechen zu verhindern und nicht mit Flatterbändern umwickelt werden, da das ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen würde. Die Gasse sollte ein wenig um die erste Ecke nach den Sprüngen herumgehen um ein abbrechen der Pferde über dem letzten Sprung zu verhindern. Dort sollte das Pferd von Hilfspersonal abgefangen werden. Zur besseren Kontrolle des Tempos sollten die Pferde auch an den Einsprung der Reihe herangeführt werden, dazu eignet sich am Besten ein Strick dessen Ende von Innen nach Außen durch den Trensenring gezogen wird, so kann man das Pferd durch loslassen des Äußeren Endes loslassen ohne den Fluss des Pferdes zu stören. Wird das Pferd zu eilig, kann eine oder mehre Galoppstangen zwischen den Hindernissen helfen. Springt das Pferd das erste Mal frei so genügen ein oder zwei Sprünge . Denn auch an kleinen Sprüngen kann man Springtechnik und Veranlagung beurteilen. Haben Pferde bereits Erfahrungen im Freispringen eignen sich Hindernisreihen aus mehren Sprüngen ( etwa 3). Der letzte Sprung sollte ein Hoch-Weit- Sprung sein.

Voraussetzung beim Reiter:

Für eine Fortgeschrittene Springausbildung sollte der Reiter über eine abgeschlossene vielseitige Grundausbildung verfügen. Das Springreiten in höheren Klassen ist keine Mut- oder Kraftprobe sondern erfordert hohe Anforderungen an das Gleichgewicht, das Einfühlungsvermögen und die Geschicklichkeit. Grundvoraussetzung ist der Sitz des Reiters der dem Pferd die ungestörte Bascule, d.h. die Aufwölbung des Pferderückens, und vor allem die Dehnung des Halses und das Vorgehen der Stirn-Nasenlinie, erlaubt. Der Reiter muss sich in allen Sprungphasen der Bewegung des Pferdes anpassen ohne sie zu stören und durch die nachgebende Hand die Halsfreiheit gewähren. Der Springreiter muss aber auch über eine Vielzahl von Wissen verfügen. Zum Beispiel bezüglich der Wirkung verschiedener dressurgymnastischer oder auch springgymnastischer Übungen. Aber auch Wissen über Parcours- und Hindernisaufbau, sowie Distanzen , Abstände, Hinderniskombinationen. Dafür ist ein sicherer Meterschritt sehr wichtig, jedoch sollte man beim Training mit einem Bandmaß die Abstände genau abmessen.

Ausbildung:

Auch hier gelten die Grundkriterien der Ausbildungsskala , die natürlich auch für ein Springpferd unerlässlich sind. Takt- Losgelassenheit-Anlehnung-Schwung-Geraderichtung- Versammlung-Durchlässikeit Werden diese Kriterien eingehalten, kann ein Springpferd den Forderungen nach Losgelassenheit, Gleichgewicht und Rhythmus gerecht werden. Aber auch die dressurgymnastische Ausbildung ist für ein Springpferd wichtig um Sprung- und Schnellkraft zu entwickeln. Das Pferd wird geschmeidiger und geschicklicher, es lässt sich kontrollieren und reagiert auf feinste Hilfen des Reiters. Ziel der Ausbildung ist es , die Einwirkungen auf unsichtbare Hilfen zu beschränken, so dass eine harmonische Verständigung zwischen Reiter und Pferd zu Stande kommen kann.

Weblinks zum Weiterlesen:

www.spring-reiten.eu

www.pferd-aktuell.de