Vielseitigkeit Drucken

Vielseitigkeit

„Die Krone der Reiterei „, so wird dieser Sport häufig bezeichnet, vereint er doch alle klassischen Disziplinen in sich. Um 1900 entwickelten die Franzosen das erste Mal Wettbewerbsprüfungen in denen verschiedene Anforderungen getestet wurden. Da sie in den Kavallerieeinheiten Vielseitigkeitverbreitet waren, wurde diese Reitsportdisziplin auch lange Jahre Military genannt. Im Focus stand damals das Kavalleriepferd, das verlässlich im Gelände sein und Gehorsam an den Hilfen stehen sollte und strapazierfähig sein sollte. Am Anfang der Entwicklung standen sehr anstrengende Ausdauerritte sogenannte Chausseeritte und Kaiserpreisritte . Später wurden die hohen Anforderungen reduziert und der Gesundheitszustand des Pferdes wurde mitbeurteilt. Die moderne Vielseitigkeit umfasst die drei klassischen Disziplinen im Reitsport Springen, Dressur und Gelände. Was diese Disziplin so interessant aber auch schwierig macht, ist die Notwendigkeit eines guten Zusammenspiels im Gelände, dieses ist nur möglich wenn zwischen Reiter und Pferd ein besonderes Vertrauensverhältnis im Sinne einer echten Partnerschaft herrscht. In der Vielseitigkeit wird zwischen Vielseitigkeitsprüfungen, auch Kurzprüfungen genannt, und Großen Vielseitigkeitsprüfungen unterschieden. Nur in Großen Vielseitigkeitsprüfungen, deren Geländeteil aus den 4 Phasen Wegestrecke eins, Rennbahn, Wegestrecke zwei und Querfeldeinstrecke besteht, werden die disziplintypischen Anforderungen an Reiter und Pferd gestellt. Jedoch wird aufgrund des Verletzungsrisikos auf der Rennbahn auf diese Wegstrecke heute verzichtet In Vielseitigkeitsprüfungen ist die Querfeldeinstrecke im Gelände nur verkürzt und für deren Bewältigung eine gute Reitpferdekondition ausreichend, sie ist hilfreich um Prüfungsroutine zu erlangen.

Das Vielseitigkeitspferd

Für Kurzprüfungen und Geländeritte im A / L- Bereich ist jedes entsprechend ausgebildete Reitpferd mit ausreichend Kondition geeignet. Für Große Vielseitigkeiten deren Geländeanforderungen eine hohe Kondition, sowie Schnelligkeit und Ausdauer verlangen, sind Pferde mit einem erhöhten Vollblutanteil besser geeignet.

Exterieurmerkmale

Insgesamt soll ein Vielseitigkeitspferd gut proportioniert, athletisch und nicht übergroß sein, denn solche Pferde haben ein schlechtes Balancegefühl und sind häufig in ihrer Geschicklichkeit eingeschränkt. Im Hinblick auf das Exterieur wünscht man sich einen gut angesetzten, langen Hals, denn dieser dient als Balancierstange. Der Rücken sollte gut bemuskelt und kräftig sein und es sollten keine Rückenprobleme auftreten. Außerdem eine ausreichend große Gurtentiefe, damit Atmungsorgane und Herz ausreichend Platz haben. Die Kruppe sollte schräg und langgezogen sein, der Schweif eher tiefangesetzt. Die Gliedmaßen sollten eine korrekte Stellung aufweisen, da sonst Belastungsschäden auftreten können. Negativ sind vor allem rückbiegige Vorderbeine und auch ein zu langes Röhrbein.. Die Hufe sollten hart und gesund sein.

Interieurmerkmale

Eine sehr wichtiges Merkmal für ein Vielseitigkeitspferd ist jedoch der mentale Bereich, es sollte mutig sein , aufpassen, mitdenken und aufmerksam mitarbeiten können. Das heißt der Charakter des Vielseitigkeitspferdes sollte einwandfrei sein.

Grundgangarten

Der Schritt sollte raumgreifend und ungebunden, taktsicher und fleißig sein. Der Trab sollte elastisch, schwungvoll und rationell sein. Der Galopp ist natürlich die wichtigste Gangart eines Vielseitigkeitspferdes. Der Galopp sollte eine deutliche bergauf Tendenz haben Ansonsten sollte die Galoppade rationell, leichtfüßig und unaufwendig sein.

Springveranlagung

Die natürliche Springveranlagung des Vielseitigkeitspferdes sollte sich durch Geschicklichkeit, Elastizität und Vorsicht auszeichnen. Die Springtechnik sollte sich durch gute Vorderbeintechnik, d.h. die Unterarme sollten gut angewinkelt sein und Schnelligkeit auszeichnen. Auf einen Fehler sollte das Pferd mit vermehrter Vorsicht reagieren und sich beim nächsten Versuch selbst korrigieren ohne sich dann aus Übervorsicht zu überspringen.Das Springvermögen richtet sich nach dem Einsatzziel des Pferdes.

Voraussetzung beim Reiter

Der Reiter sollte in allen Disziplinen d.h. Springen, Dressur und Gelände bis zur Klasse L ausgebildet sein und Prüfungserfahrung haben. Die Voraussetzung für einen Start in einer L-Vielseitigkeit ist eine mehrjährige praktische Geländeausbildung. Außerdem sollten schon mehrere erfolgreiche Starts in Kurzprüfungen der Klasse A und L abgelegt worden sein. Der Reiter sollte in der Lage sein , sein Pferd in jeder Situation und bei allen Bodenverhältnissen an die Hilfen zu stellen.. Der Reiter sollte ein gutes Gleichgewichtsgefühl, ein ausgeprägtes Zeitgefühl und gute reittechnische Fähigkeiten mitbringen. Aber auch sportliche Fitness, Ehrgeiz, Disziplin und Trainingsfleiß zeichnen einen guten Vielseitigkeitsreiter aus.

Ausbildung

Die Ausbildung eines Vielseitigkeitspferdes bedarf einer langfristigen Planung. Mit ca. 6,5 Jahren kann ein Pferd Geländepferdeprüfungen und Vielseitigkeitsprüfungen der Klassen A und L laufen und auch schon mal eine Große Vielseitigkeit Klasse A . Ein Vielseitigkeitspferd bedarf ca. 6 Ausbildungsjahre bis zur höchsten Klasse.

Weblinks zum weiterlesen:

www.vilseitigkeitsreiten.de

www.buschreiter.de

www.luhmuehlen.de