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Distanzreiten

Distanzreiten (engl. Endurance Riding) ist ein Pferdesport, in dem es darum geht, eine große Entfernung zu Pferd so schnell wie möglich zu überwinden. Dabei kommt es auch darauf an, die Pferde nicht zu überfordern. Eintages-Distanzritte werden auf Strecken ab 25 bis ca. 160 Kilometer ausgetragen. Daneben gibt es noch (seltener) Mehrtageswettbewerbe wie die Ritte „Wien-Budapest" und der „Trabweg West", der vom Elsass an die Nordsee führte. Auch wenn der Distanzsport ein Wettkampf „gegen die Uhr" ist, nehmen viele Teilnehmer nach dem Motto „Angekommen ist gewonnen" teil. Distanzritte stellen eine besondere und einzigartige Herausforderung für Pferd und Reiter dar, denn das Pferd muss auf unterschiedlichem Gelände viele Kilometer zurücklegen und trotzdem frisch und gesund ins Ziel kommen. Einfach ausgedrückt liegt der Sinn des Distanzreitens darin, ein Pferd in einer vorgegebenen Geschwindigkeit über eine ebenfalls vorgegebene Strecke zu reiten. Kondition und Gesundheitszustand des Pferdes werden vor dem Start und nach dem Zieleinlauf von Tierärzten überprüft, bei längeren Ritten auch in einer bis zu 40 Minuten langen Pause. Pferde, die vom Tierarzt aus irgendeinem Grund für reituntauglich erklärt werden, müssen ausscheiden; so ist sichergestellt, dass kein Pferd bleibende Schäden davonträgt. Bei den meisten langen Ritten starten alle Teilnehmer gleichzeitig (s.g. Massenstart). Sieger ist das Pferd, das zuerst durchs Ziel geht und die nachfolgende Tierärztliche Untersuchung ohne Beanstandungen übersteht. Das vorgeschriebene Mindesttempo darf nicht unterschritten werden. Bei den meisten Distanzwettbewerben ist die Strecke markiert, es gibt aber auch unmarkierte Kartenritte, auf denen der Reiter die Strecke anhand der Karte selbst finden muss. Distanzreiten bedeutet auch, dass der Reiter spüren muss, wie gut sein Pferd geht und wie es mit den Bodenverhältnissen zurechtkommt. Er muss Tempo und Reitweise darauf einstellen und unter Umständen auch bereit sein, auf eine Platzierung zu verzichten, um sein Pferd nicht zu überfordern. Im Distanzreiten werden Welt- und Europameisterschaften sowie Nationenpreise ausgetragen. Die Deutsche Meisterschaft im Distanzreiten geht traditionell über 160 km (100 Meilen). Insbesondere in der arabischen Welt ist dieser Sport populär, denn als Distanzpferde sind arabische Pferde prädestiniert. So waren 1998 und 2005 die Vereinigten Arabischen Emirate Gastgeber der Weltmeisterschaften im Distanzreiten. Seit Jahren gibt es Bestrebungen, dass Distanzreiten eine Olympische Disziplin wird; es gilt aber als wenig wahrscheinlich, dass das IOC eine weitere Reitsportdisziplin aufnehmen wird. Den meisten Distanzreitern gefällt an diesem Sport, dass sie ständig Neues über ihr Pferd und seine natürlichen Fähigkeiten erfahren; sie müssen bei jedem Ritt neue Anforderungen stellen und dann beurteilen, wie das Pferd darauf reagiert. Zusätzlich kommen noch die verschiedenen, je nach Austragungsort) landschaftlichen Erlebnisse hinzu, welche für Pferd und Reiter immer wieder seinen Reiz bieten. Ein Traum vieler Distanzreiter ist die Teilnahme an einem Hundertmeiler (160 km in 24 Stunden). Da Distanzritte in unterschiedlichen Längen ausgeschrieben werden, können Neulinge klein anfangen und laufen nicht Gefahr, ihr Pferd und sich selbst zu überfordern und zu überschätzen. So kann man allmählich seine Anforderungen steigern. Es kann viele Jahre dauern, bis man das Ziel „160 km" erreicht. Distanzreiten ist ein Sport, dessen Anforderungen vom Breitensport (wie Wanderreiten) bis zum Hochleistungssport reichen, der viele Stunden des Trainings und der Vorbereitung erfordert. Es ist vonnöten, dass Pferd und Reiter fit genug sind, um den gestellten Anforderungen zu genügen. Dazu gehört eine entsprechende Pferdehaltung, d. h. eine optimale und auf das Pferd und die zu erbringende Leistung abgestimmt Fütterung, Training im offenen Gelände, und viel Weidegang, damit das Immunsystem und die Muskulatur gestärkt werden kann.

Die Anfänge

Das Distanzreiten ist vermutlich eine der ältesten Reitsportarten. Im Gegensatz zum Hund, der vermutlich schon lange vor dem Pferd zum Begleiter des Menschen wurde, war letzteres wesentlich temperamentvoller und musste mühsam gezähmt werden, bevor es von irgendeinem Nutzen war. Doch genau dieses Temperament und der Mut sind es, die Pferde für Distanzritte so geeignet machen. Auf langen Distanzen brillieren genau die Pferde mit dem „gewissen Extra", das sie veranlasst, auch unter schwierigen Bedingungen weiterzumachen. Frühe Kulturen machten ihre Soldaten beritten und ließen sie Tausende von Kilometern zurücklegen, wobei sie Unwetter, Hunger und Erschöpfung ertragen mussten. Die erste Trainingsanleitung der Geschichte stammt vom Mittanier Kikkuli aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. Sein Pferdetext ist ein taggenaues Programm zur Fütterung, Pflege, Haltung und Training von Kriegs(wagen)pferden, um sie in die Lage zu versetzen zum Abschluss des Programms eine Strecke von rund 1.000 km in 7 Nächten zurückzulegen. Die Perser entwickelten das erste regelrechte Kommunikationssystem – ebenfalls mit Hilfe des Pferdes. Poststationen wurden in Abständen von einem Tagesritt eingerichtet, so dass eine Strecke von 2.400 Kilometern durch regelmäßigen Pferdewechsel in 7 bis 14 Tagen abgeritten werden konnte. 1800 Jahre später führte Dschingis Khan, dessen Reiter etwa 240 Kilometer am Tag zurücklegten, ein ähnliches System ein. Der legendäre Pony-Express wurde 1860 eröffnet: Eine Reihe von Reitern beförderte Post zwischen Missouri und San Francisco, zum Teil durch Gebiete, in denen feindselige Indianer lebten – auf einer Gesamtstrecke von 3.145 Kilometern durch Missouri, Kansas, Nebraska, Colorado, Wyoming, Utah und Nevada nach Sacramento in Kalifornien. Zu seiner Blütezeit hatte der Pony-Express 100 Reiter, 190 Relaisstationen, 400 Angestellte entlang der Strecke und setzte im Laufe von nur zehn Tagen 400 Pferde ein. Der schnellste Ritt ging über eine Strecke von 193 km in 8 Stunden und 10 Minuten. Wegen der großen Verluste bestand der Pony-Express nur zwei Jahre. Zu einem eigenständigen Sport wurde das Distanzreiten vermutlich zum Ende des 19. Jahrhunderts in Europa. Es wurden, forciert durch das Militär, einige harte Rennen geritten, zum Teil mit fatalen Folgen, denn viele Pferde starben an Erschöpfung. Das längste Rennen der Art war der Distanzritt Wien-Berlin (Berlin-Wien) 1892, ca. 572 km, an dem Soldaten der Deutschen und der Österreichisch-Ungarischen Armee teilnahmen. Das Rennen wurde mit einer Zeit von 71 Stunden und 27 Minuten gewonnen; der Sieger war bis auf kurze Rasten von insgesamt ca. 11 Stunden ununterbrochen unterwegs. Bis zum Ende der darauffolgenden Woche waren 25 Pferde aus dem Teilnehmerfeld, darunter auch das des Siegers, verendet. Distanzreiten geriet als Sportart dadurch in Verruf, auch zeigte das Militär kein Interesse mehr daran, weil mit Eisenbahn, Automobil und Fahrrad schnellere Transportmittel zur Verfügung standen. Wesentlich zum Comeback des Distanzreitens beigetragen hat der erste in der Nachkriegszeit, seit 1955 in fast ununterbrochener Folge bis in die Gegenwart ausgerichtete moderne, mit Tierarztkontrollen ausgestattete Distanzritt Western States Trail Ride 100 Miles One Day (genannt Tevis-Cup) von Robie Park beim Lake Tahoe durch die Sierra Nevada nach Auburn in Kalifornien. In Deutschland fanden die ersten Distanzritte in der Nachkriegszeit 1969 in Ankum statt, veranstaltet durch den Equitana-Gründer Wolf Kröber. Bei diesen ersten Ritten (50 km) gab es aber wiederum tote Pferde. Der erste deutsche Hundertmeiler war der durch den Feuerkreis veranstaltete Ritt Hamburg–Hannover (seit 1974). Feuerkreis und Fachausschuss Distanzreiten (Vorläufer des VDD) gaben sich erste Regelwerke, in deren Mittelpunkt der Schutz der Pferde standen.

Distanzen

In Deutschland werden Strecken bei Eintagesritten oder -fahrten als Einführungswettbewerbe (25-39 km), Kurze Distanzwettbewerbe (40-59 km), Mittlere (60-79 km) und Lange Distanzwettbewerbe (ab 80 km) klassifiziert. Da fast alle Distanzwettbewerbe ausschließlich nach Zeit gewertet werden ist die Bezeichnung "Distanzrennen" korrekt, obwohl im allgemeinen nur auf Lange Distanzwettbewerbe angewandt. Zum Vergleich: In Amerika erfolgt die Klassifizierung in limited distance (22–30 Meilen, 35–48 km) als Einstieg – nicht in allen Staaten erfolgt eine Platzierung, damit der Traningscharakter für Pferd und Reiter gewährleistet ist – und endurance (50 und 100 Meilen, 80 bzw. 160 km, zuweilen auch 75 Meilen). Dabei ist die Zeit begrenzt, 6 Stunden für limited distance, 12 Stunden fuer 80 km und 24 Stunden für 160 km dürfen nicht überschritten werden. Die schnellsten Ritte für 160 km liegen je nach den Bedingungen meist bei 8–10 Stunden. In verschiedenen Ländern werden Qualifikationen verlangt, um auf längeren Ritten oder Fahrten starten zu dürfen, in Deutschland ist dies nicht so.

Tierschutz

Um eine Überforderung der Pferde zu verhindern, finden vor und nach dem Ritt, sowie über die Strecke verteilt Kontrollen durch Tierärzte statt, bei denen die Reittauglichkeit des Tieres überprüft wird. Ein Pferd gilt als reittauglich, wenn es nach Meinung des Tierarztes die vor ihm liegende Strecke, mindestens aber 20 km unter dem Reiter und mit der Ausrüstung zurücklegen kann, ohne Schäden zu erleiden oder Schmerzen zu ertragen. Das gilt auch für die Nachuntersuchung. 20 Minuten nach Ankunft in einer Tierarztkontrolle oder im Ziel darf die Pulsfrequenz des Pferdes 64 Schläge pro Minute nicht überschreiten, da dieser Wert international als Grenzwert für kreislaufmässige Überforderung gilt. Die meisten Pausen sind bei heutigen Distanzwettbewerben als VetGates organisiert, d.h. die Pause beginnt erst bei Vorstellung des Pferdes mit Puls 64 oder darunter. Bei einem Ritt von 80 km sind meist 2-3 Pausen von jeweils rund 30 Minuten Länge üblich. Außerdem werden Muskulatur, Stoffwechsel und Gangwerk der Pferde überprüft, und das Pferd im Falle erkennbarer Überforderung oder Verletzung vom Wettbewerb ausgeschlossen. Der Abtransport des Tieres wird so lange verzögert, bis der Arzt dieses formell freigibt.

Pferderassen

Für das Überwinden langer Distanzen eignen sich Arabische Pferde ohne Zweifel am besten; sie scheinen dafür geschaffen. In Amerika und Australien stehen Araber bei fast allen langen Ritten auf der Siegerliste ganz oben, andere Pferderassen sind fast gar nicht am Start. Araber vertragen hohe Temperaturen und große Luftfeuchtigkeit und wurden für Ausdauerleistungen gezüchtet. Die Geschichte der Arabischen Pferde erklärt ihren Erfolg: Jahrhundertelang waren sie die Reittiere der Beduinen, lebten in heißem Klima, bewegten sich auf schwierigem Terrain und mussten bei knappen Rationen lange Strecken zurücklegen. Von Natur aus haben Araber unverwüstliche Beine und sind extrem ausdauernd. Weniger bekannt und extrem selten sind hingegen Achal-Tekkiner, eine Rasse die bereits länger als der Araber unter den gleichen Bedingungen und Prämissen gezüchtet wurde und wird. In Amerika haben sich daneben auch Mustangs bewährt. Allerdings starten in Deutschland auch viele untypische Pferderassen bei Distanzritten. So sind z. B. viele Traber, andere Vollblüter, Warmblüter, diverse Ponyrassen (darunterShetland-Ponys, Island- und Fjordpferde, Deutsche Reitponys, Connemara- und Welsh-Ponys), sowie auch ein paar Kaltblüter auf deutscher Strecke unterwegs. Bei entsprechendem Training kann jedes Pferd über Strecken bis 80 km gehen, ob es jedoch für den Sport besonders veranlagt ist, zeigt sich erst bei höheren Distanzen.

Anspruch an den Reiter

Auch wenn viele Menschen dazu tendieren, die Messlatte fuer das "richtige" Pferd hoch zu hängen, so ist es gerade beim Distanzreiten wichtig, zunächst einmal den Reiter ins Auge zu fassen, denn insbesondere Langstreckenrennen stellen hohe Ansprüche an die körperliche Fitness des Reiters und nicht wenige der erfolgreichen 100 Meilen / 160 km Reiter sind auch ganz passable Marathonläufer. Als herausragendes Beispiel mag Lew Hollander dienen, der nicht nur mehr als 150 Distanzritte fuer sich entscheiden konnte, sondern auch 16 Mal am Ironman Hawaii teilnahm. So weit muss man freilich nicht gehen, vielfach wäre mit einem ausbalancierten Sitz, einer harmonischen Bewegung und einer gelösten Haltung - auch nach vielen Stunden im Sattel - schon einiges gewonnen. Vor allem aber sollte der Reiter im Auge behalten, was er seinem Pferd eigentlich zumutet - ein zierlicher Araber ist auf die Dauer nicht dafür geeignet, einen schweren Reiter über 80 oder mehr km zu schleppen. Demgegenüber ist der Reitstil letztlich unerheblich, solange die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter funktioniert.

Anspruch an die Pferde

Generell steht das Distanzreiten allen Pferdetypen offen, doch gibt es doch eine Reihe von Merkmalen, die vorteilhaft bzw. durch entsprechendes Training erstrebenswert sind. Besonders für Ritte in schwierigem oder unebenem Gelände braucht man ein Pferd mit einem korrekten Körperbau, das sich frei bewegen kann und dabei nicht übermäßig ermüdet oder Gefahr läuft sich zu verletzten. Ein Pferd mit geraden, gut proportionierten Beinen und ausgeprägten Gelenken ist besser ausbalanciert und weniger anfällig für Verstauchungen oder Zerrungen. Darüber hinaus sollte das Fell nicht zu dicht sein und die Aderung deutlich erkennbar - oft ein Ergebnis entsprechenden Trainings -, damit die innere Hitze gut an die Umgebung abgegeben werden kann. Aus demselben Grund ist ein schlank und hoch gebautes (messerförmiges) Pferd auch einem solchen mit einer runden (fassförmigen) Körperform vorzuziehen. Ein hoher Widerrist ist im Bezug auf die Bemuskelung wünschenswert, während die Nüstern und die folgende Nasenpartie möglichst gross sein sollten, um die Atmung zu erleichtern. Ein extremer (seepferdchenartiger) Araberkopf ist hier kontraproduktiv. Schließlich ist eine lange, schlanke Bemuskelung insbesondere der Hinterhand der Ausdauer halber erstrebenswert und auch wenn durch Training hier viel erreicht werden kann, so sind generell Araber und Stuten im Vorteil. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Beduinen fuer ihre Kriegszüge früher ausschließlich Stuten nutzten. Eine Traberstute ist beispielsweise von der Muskeltypzusammensetzung her jedoch nicht schlechter gestellt als ein Araberhengst, wohl aber ein Traberhengst.

Training

Das Training eines Distanzpferdes vom Einstieg bis hin zu einem Langstreckenrennen ist ein weiter Weg, der sich in der Regel über drei bis fünf Jahre erstreckt. Das Pferd sollte keinesfalls zu früh eingeritten werden, damit sich der Körper des Tieres erst vollständig entwickeln kann. Ein Alter von vier bis fünf Jahren gilt als angemessen. Das Training beginnt mit langen und langsamen Ritten, bei denen vorwiegend Schritt gegangen wird, zwei bis drei Mal pro Woche zwei bs vier Stunden. Nach einigen Monaten erfolgt eine allmähliche Intensivierung mit einfliessenden Trabphasen oder anspruchsvollerem Terrain, doch bleibt der Schritt zunächst Hauptgangart. Eine Teilnahme an dem ein oder anderen Einführungswettbewerb kann das Training nach ein paar Monaten ergänzen. Der Winter sollte für eine längere Trainingspause genutzt werden, welche beispielsweise mit Dressur- oder Kommunikationsübungen gefüllt werden kann, allerdings sollte der Urlaubscharakter im Vordergrund stehen. Nach Wiederaufnahme des Trainings kann nun eine Steigerung des Tempos hin zu einem ausdauernden Jog erfolgen, wobei kurze und schnelle Ritte mit langen und langsamen alternieren. Etwa 40 km werden dabei als lange Runde anvisiert. Nun kann man sich auch mit mehr Elan an einem Einführungswettbewerb beteiligen oder auch an einer längeren Strecke versuchen. Nach der Trainingspause wird sodann nach und nach gezielter trainiert, mit höheren Geschwindigkeiten, einfliessenden Galoppphasen und anspruchsvollem Gelände, sowie Geschwindigkeitswechseln. Dabei sollten 160 km in zwei Wochen verteilt auf fünf Ritte nicht ueberschritten werden und das Trainingspensum etwa 10 Tage vor jedem geplanten Wettkampf auf ein Drittel heruntergefahren werden, wobei die Ritte wenigstens einen Monat auseinander liegen sollten. Daneben gibt es viel über das Pferd - seine Entwicklung, seine Schwächen und Stärken und wie was verbessert werden kann - zu lernen. Hieran gilt es auch nach der obligatorischen Pause weiter zu arbeiten, bis sich zeigt, wohin die Reise geht und dies kann durchaus noch ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. Geht ein Pferd problemlos über 50 Meilen, frisst und trinkt es ausgiebig in den Pausen und verschmäht auch unterwegs keinen Bach und kein Gras, so weiß man, dass schließlich die Zeit für die nächste Herausforderung gekommen ist und man kann sich an 100 Meiler heranwagen.

Ausrüstung Pferd

Gemäß Reglement ist die Ausrüstung des Pferdes freigestellt, sie hat lediglich verkehrssicher und dem Einsatzzweck angepasst zu sein (d.h. z.B. keine atembeengende Zäumung und Hilfszügel, außer Jagdmartingal). Für die Verwendung über viele Stunden und schnelleren Gangarten hinweg auf dem Pferd eignen sich nur sehr gut passende Sättel und zwar in Bezug auf Pferd und Reiter. Der Sattel sollte das Gewicht des Reiters an der richtigen Stelle platzieren, es dabei gleichmässig verteilen, aber nicht durch eine zu große Auflagefläche des Pferd in der Rückenbewegung behindern. Sowohl Sättel mit starren, als auch flexible Sattelbäume sind im Gebrauch, zunehmend auch baumlose Sättel. Eine Sattelunterlage darf immer nur zusätzliche Polsterung sein, aber nie dazu dienen, einen schlecht passenden Sattel „passend" zu machen. Der wichtigste Aspekt bei der Auswahl eines Sattelgurtes ist die Vermeidung von Druck- oder Scheuerstellen. Das Wechseln Decken, Gurten oder Sätteln kann auf Ritten über 80 km sinnvoll sein. Ein Vorderzeug verhindert, dass der Sattel beim Bergaufreiten nach hinten rutscht - ein Schweifriemen verhindert ein Verrutschen nach vorn beim Bergabreiten. Gamaschen undBandagen sind auf den Ritten erlaubt, müssen aber für die tierärztlichen Untersuchungen und auch auf Verlangen oder Order entfernt werden. Pferde, die stark zum Streichen neigen, sind zum Distanzreiten nicht geeignet. Gelegentliches Streichen kann durch den entsprechenden Beschlag korrigiert werden und gibt sich unter Umständen sogar von selbst, wenn das Pferd im Laufe des Trainings mehr Muskeln aufbaut. Unter Gamaschen können sich allerdings Sand oder Steinchen festsetzen, die scheuern und somit dem Pferd schaden; dasselbe gilt für Springglocken. Bei kalter Witterung und Regenwetter sind Nierendecken äusserst nützlich, die hinten am Sattel befestigt und beim Reiten auf Nierenpartie und Kruppe gelegt werden können. Bei manchen Ritten ist auch die Mitnahme einer Pferdedecke am Pferd zwingend vorgeschrieben. Denn es kann vorkommen dass der Tross aus irgendwelchen Gründen nicht am Stop erscheint und dann sollte das Pferd bei schlechtem Wetter nicht ohne Decke dastehen.

Ausrüstung Reiter

Das Tragen eines Schutzhelmes kann vom Veranstalter vorgeschrieben werden. Für Jugendliche sind Reithelme Pflicht. Man sieht aber immer weniger Reiter die ohne Helm unterwegs sind. Ansonsten ist die Ausrüstung des Reiters freigestellt. Erlaubt sind alle Arten von Reitstiefeln, oder auch Wander- oder Laufschuhe – auf längeren oder schwierigeren Ritten, bei denen der Reiter zeitweise nebenher läuft, aber auch an heißen Tagen empfehlenswert. Die Kleidung sollte bequem und der Witterung angepasst sein. Manche Reiter bevorzugen Leggins oder Chapsletten. Die Jacke sollte wasserdicht, atmungsaktiv, und für den Nichtgebrauch hinter dem Sattel klein zusammenpackbar sein. Am besten trägt der Reiter eine Wasserflasche bei sich, die am Sattel befestigt werden kann. Die Streckenkarte mit der zu absolvierenden Strecke sollte auch bei markierten Ritten, die Checkkarte muss vom Reiter mitgeführt werden. Mobiltelefon, GPS, Pulsmesser (fürs Pferd) sind nützliche technische Gegenstände, doch es geht auch ohne sie.

Tempo und Zeit

Ein Distanzreiter muss das optimale Tempo seines Pferdes erkennen, das Tempo der Bodenbeschaffenheit anpassen und die im Wettkampf vorgeschriebenen Zeiten einhalten können. Er muss die Geschwindigkeit seines Pferdes im Schritt, Trab und Galopp genau kennen. Anzustreben ist, die Geschwindigkeit des Trabes zu verbessern, denn er ist die Hauptgangart auf Distanzritten – es gibt Pferde, die im Trab schneller sind als im Galopp. In bergigem Gelände kann man viel Zeit verlieren und muss deshalb lernen, eine Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen. Reitet man zum Beispiel in einem Tempo von 12 Kilometern pro Stunde, kann sich der Wert an Steigungen auf 8 Kilometer pro Stunde verringern, was bedeutet, dass, um eine optimale Durchschnittszeit zu erreichen, schneller geritten werden muss, sobald das Gelände besser wird. Anhand der Karte informiert man sich über das voraussichtlich zu erwartende Gelände und errechnet denn die vermutlich erreichbare Geschwindigkeit. Berge, schwieriges Gelände, Straßen und steinige Wege lassen kein schnelles Reiten zu, doch auf offenem Gelände und guten Wegen kann dann wieder schneller geritten und Zeit gutgemacht werden. Den Reitinformationen kann man entnehmen, wie viele Kontrollpunkte der Betreuer anfahren kann, um das Pferd und den Reiter zu verpflegen und zu kühlen. Auch dieser Ablauf muss zeitlich abgestimmt sein. Am besten arbeiteten der Reiter und die Betreuer mit einer untereinander abgestimmten Stoppuhr. Die Zeiten werden nach Erhalt der Startunterlagen über die angefügte Karte mit einem Taschenrechner ermittelt. Will man zum Beispiel 8 Kilometer pro Stunde zurücklegen, teilt man 60 durch 8 und multipliziert der Ergebnis mit der Anzahl der bevorstehenden Kilometer.

Gangarten

Die vorherrschende Gangart ist ein schneller Trab, der zuweilen vom Galopp oder Schritt fuer ein paar Minuten unterbrochen wird. Die durchschnittliche Geschwindigkeit darf des Zeitlimits wegen einen langsamen jog nicht unterschreiten, 15-20 km/h im Trab sind aber durchaus ueblich, oft bergauf und bergab gleichermassen. Der Bewegungsablauf eines Pferdes, das auf lange Distanzen eingesetzt werden soll, ist von herausragender Bedeutung und weitgehend vom Körperbau des Pferdes abhängig. Der Idealfall ist ein Pferd, das lange, bodendeckende Schritte macht und sich dabei gelöst und mühelos bewegt. Die Gliedmaßen sollen auf gerader Linie nach vorn gebracht und jedes Gelenk vollständig abgebeugt werden – von hinten muss in der Bewegung die Unterseite jedes einzelnen Hufs zu sehen sein. Den Bewegungsablauf kann man am besten beurteilen, wenn man sich das im Schritt oder Trab geführte Pferd von vorn oder auch hinten ansieht. Das ist bei der ärztlichenUntersuchung, vor dem Start, teils während des Rennens und nach Beendigung des Distanzrittes möglich.

Alter des Pferdes

In der Regel muss ein Pferd, das über lange Distanzen geritten werden soll, mindestens fünf Jahre als sein. Eine obere Altersgrenze scheint es nicht zu geben. Wie lange ein Pferd einsatzfähig ist, hängt allein davon ab, wie es in der Vergangenheit geritten wurde. Um auch mit einem relativ alten Pferd starten zu können, ist es wichtig, es in seiner Jugend nicht zu hetzen oder zu überanstrengen, sondern darauf zu achten, dass es für die vor ihm liegenden Aufgaben ausreichend trainiert ist.

Betreuer/Tross, Trosser

Besonders auf größeren Strecken sind Betreuer eine nicht zu unterschätzende Unterstützung. Die Betreuer müssen sich nicht nur um das Pferd kümmern, sondern, wenn es nötig ist, auch um den Reiter. Das kann schlicht bedeuten, dass sie ihm bei der Startvorbereitung helfen, an bestimmten Punkten entlang der Strecke auf ihn warten, für Trinkwasser sorgen und nach dem Ritt das Pferd in ihre Obhut nehmen. Ein guter Betreuer, oder auf internationalen Wettkämpfen sogar ganze Betreuer-Mannschaft ist unbezahlbar und leistet einen wichtigen Beitrag zum Erfolg. Ein guter Betreuer muss Karten lesen können, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort fahren und alles dabei haben, was das Pferd und der Reiter brauchen können. Ist die Witterung heiss, soll der Betreuer an den durch den Veranstalter zugelassenen Trosspunkten mit Wasser bereitstehen,damit das Pferd Trinkwasser und eine Abkühlung erhalten kann, gegebenenfalls auch mit Erfrischungen für den Reiter. Das Pferd wird abgeschwämmt - ein Naturschwamm ist dazu vielfach leistungsfähiger als ein Kunstschwamm - oder es wird Wasser aus Plastikflaschen im Gehen über den Hals und den Nacken gegossen und diese damit gekühlt. Danach geht es gleich weiter. Die festgelegte Pause (bei größeren Strecken) dauert so gegen die 40 Minuten (siehe VetGate). Wenn das Pferd und sein Reiter eintreffen, müssen sie zu dem, von den Betreuern vorbereiteten Platz gebracht werden, um den Sattel zu entfernen und das Tier zu kühlen, zu füttern und zu tränken. Ist der Puls über 64 kann das Pferd solange mit Wasser gekühlt werden, bis der Grenzwert unterschritten ist. Dann kann mit dem Kühlen aufgehört werden. Das auf dem Fell zurückgebliebene Wasser sollte mit einem Wasserabzieher (Schweißmesser) abgetragen werden, da die Kühlwirkung besser ist wenn die Kapillarkühlung des Fells ausgenützt wird. Desgleichen soll bei heißem Wetter nicht im Windschatten gekühlt werden, in internationalen Wettkämpfen und auf Wüstenritten sieht man gelegentlich aufgestellte Windmaschinen. Bei kaltem Wetter (auf Europäischen Distanzritten häufiger als große Hitze) kann falsches oder zu starkes Kühlen jedoch sehr leicht mehr schaden als nützen. Nichtsdestotrotz oder auch gerade deshalb: Auch ohne Helfer kann man selbst über lange Distanzen erfolgreich starten - bei entsprechender Organisation - bzw. Selbstorganisation.

 

Meisterschaften

Im Distanzreiten werden Welt- und Europameisterschaften sowie Nationenpreise ausgetragen. Insbesondere in der arabischen Welt ist dieser Sport populär, denn als Distanzpferde sind arabische Pferde prädestiniert. So waren 1998 und 2005 die Vereinigten Arabischen Emirate Gastgeber der Weltmeisterschaften im Distanzreiten.

 
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